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Das Neusser Bürger Schützenfest

Von der ernsten Waffenübung
zum modernen Schützenfest

 

Aus dem Buch "Freut Euch des Lebens",

Schützenfeste sind in ganz Deutschland weit verbreitet. Sie haben sich fast überall von ernster Waffenübung zu frohem Spiel gewandelt.

Die Städte mussten ihre Freiheit gegen vielerart Bedrohung verteidigen. Sieg und Niederlage hing neben der Stärke der Stadtbefestigung von der Qualität der Bewaffnung ab und von der Fähigkeit der Bürger, sie zu handhaben.

Die Armbrust mit ihrer großen Reichweite und Durchschlagskraft war die wirkungsvollste Waffe des Bürgers.

Zur Förderung und Kontrolle der Leistungsfähigkeit in ihrem Gebrauch wurden jährlich – „Stadtschießen“ oder eben „Schützenfeste“ abgehalten.

An diesem Tag, Kirchweih oder Fest eines Schutzheiligen, wurden nach gemeinsamem Gottesdienst die Waffen gemustert und Wettschießen gehalten. Dem oder den Siegern winkten neben Ehre und Auszeichnungen oft bedeutende materielle Belohnungen.

Es wurde dabei selbstverständlich gut gegessen und getrunken und das Tanzbein geschwungen.

Das Aufkommen der Feuerwaffen, die nur allmählich die Wirkung und Zuverlässigkeit der Armbrust erreichten, änderte nur wenig an Art und Weise der Schützenfeste.

Doch trennten sich die Schützengilden häufig und bald sprach man von den „alten Schützen“, die die Armbrust beibehielten und den „jungen Schützen“ die das „Feuerrohr“ handhabten.

Mit dem Aufkommen des Söldnerwesens verlor das Schützenwesen an Bedeutung und die Schützenfeste dienten mehr und mehr der Geselligkeit.

In den linksrheinischen Gebieten des Rheinlands wurde Bestehen und Tätigkeit der Schützengilden und Bruderschaften mit dem Einmarsch der französischen Revolutionsheere für lange Zeit unterbrochen.

Jedoch hatten sie ein zähes Leben und ließen sich leicht wieder erwecken. Die sich von 1415 datierende „Sankt Sebastianus-Bruderschaft zu Neuss“, 1794 aufgehoben, erstand schon 1803 neu. Diesmal jedoch unter dem Patronat Sankt Jakobus des Älteren und heute als „Neusser Scheibenschützen-Gesellschaft“ bekannt.

Im Jahre 1823 gründete die „Neusser Junggesellen Sodalität“ die Neusser Vogelschützengesellschaft, die ein Schützenfest mit Vogelschießen veranstalten wollte. Zur „Bartholomäuskirmes“,  Ende August also, marschierte ein Schützenzug durch die Stadt, Grenadiere, Füsiliere und Jäger.

1824 gab es 134 Aktive, die von einem General befehligt wurden.

1827 erlaubte eine neue Satzung, dass die Mitglieder auch nach der Heirat weiter am Schützenfest teilnehmen dürfen. Ein wichtiger Schritt für die Entwicklung des Festes, denn höchstwahrscheinlich wären nur wenige um des Schützenfestes willen unbeweibt geblieben.

Die 1836 erstellte Satzung, die „Statuten für die Neusser Bürger-Schützen-Gesellschaft“ bestimmte, dass jeder Bürger und Bürgerssohn Mitglied werden kann. Ab 1828 nahm das „Corps der Ringstecher“, das heutige Reitercorps, am Schützenfest teil.

Seit 1830 marschieren die Sappeure an der Spitze des Regiments.

 

1833 wurde zum ersten Mal neben dem Vogelkönig auch ein Scheibenkönig ausgeschossen.

Neben dem Schützenkönig wurden der Scheibenkönig und der Sieger der Ringstecher, später „Reitersieger“ genannt, feierlich proklamiert. Dieser Brauch hat sich bis 1938 gehalten.

Seitdem sind Schützenkönig und Reitersieger die Hauptpersonen des Krönungsballes, der ursprünglich mittwochs gehalten, im Laufe der Zeit auf den Samstag nach dem Schützenfest gelegt wurde. Der Krönungsball fand in den Anfängen im „großen Saal“ des städtischen Kaufhauses am Markt und später in der „Tonhalle“, einem zu Füßen des Wasserturms gelegenen, hölzernen Saalbau, statt.

1834 wurde die Bezeichnung Neusser Bürger-Schützenfest eingeführt und das bis auf wenige Änderungen noch heute gültige Festprogramm aufgestellt.

Das 1851 gegründete „Fünfte Corps“, die Neusser Artillerie, nahm 1845 zum ersten Mal am Schützenfest teil.

1868 wuchs die „Schützenlust“ und 1902 die Hubertus-Schützen-Gesellschaft dem Neusser Schützenregiment zu.

Manches aus den früheren Tagen des Schützenfestes ist verschwunden. Ob geharnischten Ritter, einen Herold, einen Zeremonienmeister, Husaren als Meldereiter die noch 1898 erwähnt sind, weiß gekleideten Mädchen oder „Ehrenjungfrauen“  gibt es heute nicht mehr.

Später kamen „Pagen“ hinzu. 1868 werden „Edelpagen“ erwähnt.

Heute sind die Edelknaben nicht das jüngste Korps, aber das „Korps der Jüngsten“.

 

Die „Neusser Scheibenschützengesellschaft von 1415“ nimmt seit 1920 auch als eigenes Korps am Schützenzug teil.

 

Nehmen wir uns noch das Komitee des Neusser Bürger-Schützenvereins, das „Festordnende Komitee“ wie es früher genannt wurde, hinzu, dann haben wir fast das ganze Regiment zusammen.

 

1849 wurde erstmals die „Scheibenschützen“ hervorgegangenen aus dem „Schießverein mit gezogenen Büchsen“ erwähnt.

Aus diesem Verein ging 1850 die „Neusser Schützengilde“ hervor, die aber 1892 wieder mit den Scheibenschützen verschmolz.

Erst 1962, nach einigen „Geburtswehen“, marschierte das Korps als Schützengilde Neuss wieder mit.


Beim ersten Schützenfest 1823 wurden 100 Mann von einem General befehligt. Heute kommandiert ein Oberst (Oberst Heiner Sandmann) das Regiment der Neusser Schützen, das mittlerweile allerdings über 6600 Mann zählt.

 

Wurden die Offiziersstellen früher zu Gunsten der Vereinskasse versteigert, werden heute die Offiziere von den Schützen gewählt. 

 

Die Sappeure werden von einem Hauptmann, die anderen Korps von Majoren bzw. das Artillerie- und Reiterkorps von „Chefs“ geführt.

Den Majoren bzw. Chefs steht ein Adjutant zur Seite.

 

Die größeren Korps sind in Züge eingeteilt, die zwar am Schützenfest als Grenadierzug, Jägerzug usw. im Verband ihres Korps teilnehmen, außerhalb des offiziellen Dienstes aber so feiern wie es ihnen passt.

Die Korpsversammlungen wählen aus den Zugführern den Hauptmann, dessen Zug damit Hauptmannszug wird und als erster Zug im Korps marschiert.

 

Jeder Zug wird von drei Chargierten geführt, Oberleutnant als Zugführer, Leutnant und Feldwebel. Die Chargierten werden von ihrem Zuge gewählt und haben für ihre Montierung Sorge zu tragen.

Nach alter Sitte geben sie an den Schützenfesttagen reihum ihrem Zug ein Frühstück.


Auszüge  aus dem Buch "Freut Euch des Lebens

 Erhältlich  in der Geschäftsstelle des Neusser Bürger-Schützen-Vereins e.V.

Im Haus Rottels.

Wie aus der ernsten Waffenübung
das moderne Schützenfest entstand.

 

Aus dem Buch "Freut Euch des Lebens",

 

13. Jhdt.

Schon zu Beginn des 13. Jhdt.  (um diese Zeit, nämlich 1209 wurde auch der Grundstein des heutigen Quirinus-Münsters an der Stelle von Vorgängerbauten gelegt) standen nach einem Bericht der Kölnischen Kriegschronik Schützen auf den Wällen der Stadt Neuss; es dürfte sich noch nicht um organisierte Schützenbruderschaften o.ä. gehandelt haben, da diese erst in nachfolgenden Jahrhunderten entstanden.

Schützenfeste sind in ganz Deutschland bekannt. Sie haben sich fast überall von ernster Waffenübung zu frohem Spiel gewandelt. Doch soll man darüber die Notwendigkeit, aus der sie entstanden, nicht vergessen.

1415

Die nachweisbar älteste Schützenorganisation in Neuss wird gegründet, eine Sebastianus-Bruderschaft der Schützen-Gesellen (Gründungsurkunde im Neusser Stadtarchiv). Sie ist Sinnbild des Willens der Bürger, ihre Freiheit und die Eigenständigkeit der Stadt und ihrer Bürger zu bewahren und sichern.

Die Städte mussten ihre Freiheit gegen vielerart Bedrohung verteidigen. Sieg und Niederlage hing neben der Stärke der Stadtbefestigung von der Qualität der Bewaffnung ab und von der Fähigkeit der Bürger, sie zu handhaben. Die Armbrust mit ihrer großen Reichweite und Durchschlagskraft war die wirkungsvollste Waffe des Bürgers. Zur Förderung und Kontrolle der Leistungsfähigkeit in ihrem Gebrauch wurden jährlich – „Stadtschießen“ oder eben „Schützenfeste“ abgehalten. An diesem Tag, Kirchweih oder Fest eines Schutzheiligen, wurden nach gemeinsamem Gottesdienst die Waffen gemustert und Wettschießen gehalten. Dem oder den Siegern winkten neben Ehre und Auszeichnungen oft bedeutende materielle Belohnungen. Es wurde dabei selbstverständlich gut gegessen und getrunken und das Tanzbein geschwungen. Das Aufkommen der Feuerwaffen, die nur allmählich die Wirkung und Zuverlässigkeit der Armbrust erreichten, änderte nur wenig an Art und Weise der Schützenfeste.

1494

Die "alten" Schützen pachten von der Stadt den Söller am Markt für ihre Versammlungen und Festessen.

31.05.1664

Der Stadtrat genehmigt die Aufstellung von "Schießroethen" vor dem Niedertor.

Doch trennten sich die Schützengilden häufig und bald sprach man von den „alten Schützen“, die die Armbrust beibehielten und den „jungen Schützen“ die das „Feuerrohr“ handhabten.

1813

In Neuss wird ein Schützenfest gefeiert


Im Jahre 1823 gründete die „Neusser Junggesellen Sodalität“ die Neusser Vogelschützengesellschaft, die ein Schützenfest mit Vogelschießen veranstalten wollte. Zur „Bartholomäuskirmes“, Ende August also, marschierte ein Schützenzug durch die Stadt, Grenadiere, Füsiliere und Jäger. 1824 gab es 134 Aktive, die von einem General befehligt wurden.

Rund 100 Junggesellen ziehen, angeführt von Chargen, durch die Stadt. Die beiden Gründungskorps des Neusser Bürger-Schützenvereins, die Grenadiere und die Jäger sind dabei. Der erste Schützenkönig ist Christian Mildenberg.

 

1827

erlaubte eine neue Satzung, dass die Mitglieder auch nach der Heirat weiter am Schützenfest teilnehmen dürfen. Ein wichtiger Schritt für die Entwicklung des Festes, denn höchstwahrscheinlich wären nur wenige um des Schützenfestes willen unbeweibt geblieben.

1824

Zum Schützenfest besteht der Zug aus 135 Mann, an der Spitze reitet General Joseph Leuchtenberg.

Der König trägt ein Königssilber, das Leuchtenberg gestiftet hat, das dann aber verschwindet und erst 1927 wieder auftaucht. 1945 verschwindet es erneut spurlos.

1826

Dem Schützenkönig wird am Dienstag auf dem Markt gehuldigt. auch eine Schützenkönigin wird gekrönt. Schützenkönig ist der unverheiratete Joseph Leuchtenberg, der als Junggeselle entsprechend den zumindest bis 1836 bestehenden Satzungsbestimmungen eine "Tochter des Landes" zur Königin auswählt.

1828

Für das Schützenfest wird auf Anregung des Vorstandes wegen der zu erwartenden Menschenmenge die städtische Wiese (heutige Rennbahn, damals mit Hügel gegenüber dem heutigen Stadtarchiv) genutzt, nachdem zuvor für das Vogelschießen der Garten vor dem Obertor sowie 1827 der Hellersberger Acker zwischen Kölner Landstraße und dem Rhein genutzt worden war. - Das Ringstechen gehört zu den Spielen auf der Wiese, erstmals nimmt das Reitercorps am Schützenfest teil.

1830

Erstmals sind Sappeure (auch als Pioniere bezeichnet) in den Annalen erwähnt; für sie hat der Neusser Bürger-Schützen-Verein Uniformen und Ausrüstung angeschafft.

1831

Das Schützenfest fällt wegen der aus dem Osten kommenden Cholera-Gefahr aus.

Die 1836 erstellte Satzung, die „Statuten für die Neusser Bürger-Schützen-Gesellschaft“ bestimmte, dass jeder Bürger und Bürgerssohn Mitglied werden kann.

Ab 1828 nahm das „Corps der Ringstecher“, das heutige Reitercorps, am Schützenfest teil.

Seit 1830 marschieren die Sappeure an der Spitze des Regiments.

1833 wurde zum ersten Mal neben dem Vogelkönig auch ein Scheibenkönig ausgeschossen. Neben dem Schützenkönig wurden der Scheibenkönig und der Sieger der Ringstecher, später „Reitersieger“ genannt, feierlich proklamiert. Dieser Brauch hat sich bis 1938 gehalten.

Der Krönungsball fand in den Anfängen im „großen Saal“ des städtischen Kaufhauses am Markt und später in der „Tonhalle“, einem zu Füßen des Wasserturms gelegenen, hölzernen Saalbau, statt.

1834 wurde die Bezeichnung Neusser Bürger-Schützenfest eingeführt und das bis auf wenige Änderungen noch heute gültige Festprogramm aufgestellt.

Das 1851 gegründete „Fünfte Corps“, die Neusser Artillerie, nahm 1845 zum ersten Mal am Schützenfest teil.

1868 wuchs die „Schützenlust“ und 1902 die Hubertus-Schützen-Gesellschaft dem Neusser Schützenregiment zu.

Manches aus den früheren Tagen des Schützenfestes ist heute verschwunden.

1868 werden „Edelpagen“ erwähnt, und oft wirken „Edelknaben und weißgekleidete Mädchen“ bei den Feierlichkeiten mit.

Heute sind die Edelknaben nicht das jüngste Korps, aber das „Korps der Jüngsten“.

Seit 1920 nimmt die „Neusser Scheibenschützengesellschaft von 1415“ als eigenes Korps am Schützenzug teil.

Nehmen wir uns noch das Komitee des Neusser Bürger-Schützenvereins, das „festordnende Comitee“ wie es früher genannt wurde, hinzu, dann haben wir fast das ganze Regiment zusammen.

Aus dem von 1849 stammenden Scheibenschützen ging 1850 die „Neusser Schützengilde“ hervor, die aber 1892 wieder mit den Scheibenschützen verschmolz.

1961 fanden sich einige interessierte Schützen zusammen, nach einigen Geburtswehen reanimierte man das Korps und marschierte 1962 als Schützengilde Neuss wieder mit.

Beim ersten Schützenfest 1823 wurden 100 Mann von einem General befehligt.

Heute kommandiert ein Oberst das Regiment der Neusser Schützen, das mittlerweile allerdings 6600 Mann zählt.

In früheren Zeiten wurden die Offiziersstellen zu Gunsten der Vereinskasse versteigert. Heute wählen die Schützen ihre Offiziere

Die Sappeure werden von einem Hauptmann, die anderen Korps von Majoren bzw. das Artillerie- und Reiterkorps von „Chefs“ geführt. Den Majoren bzw. Chefs steht ein Adjutant zur Seite.

Die größeren Korps sind in Züge eingeteilt, die zwar am Schützenfest als Grenadierzug, Jägerzug usw. im Verband ihres Korps teilnehmen, außerhalb des offiziellen Dienstes aber so feiern wie es ihnen passt.

Die Korpsversammlungen wählen aus den Zugführern den Hauptmann, dessen Zug damit Hauptmannszug wird und als erster Zug im Korps marschiert.

Jeder Zug wird von drei Chargierten geführt, Oberleutnant als Zugführer, Leutnant und Feldwebel.

Die Chargierten werden von ihrem Zuge gewählt und haben für ihre Montierung Sorge zu tragen. Nach alter Sitte geben sie an den Schützenfesttagen reihum ihrem Zug ein Frühstück. Das ist die Hohe Ehre allemal wert.

 Auszüge  aus dem Buch "Freut Euch des Lebens

 Erhältlich in der Geschäftsstelle des Neusser Bürger-Schützen-Vereins e.V.

Im Haus Rottels.